Komplikationen und Vorbildfunktion

Ich wollte etwas zu meinen bisherigen Erfahrungen in meinem Schweige-Projekt schreiben, aber das muss warten. Es gab jetzt nämlich „Komplikationen“.

Erzähltes wird immer überdramatisiert. So war es auch, als mir plötzlich Lehrerin X, trotz des aufklärenden Gesprächs am vorherigen Tag, sagte, dass sich meine Klassenlehrerin, die es zuvor billigte wie alle anderen Lehrer zuvor auch, während der Zeugnisausgabe nochmal zu meinem Projekt (negativ) äußern würde und das ganze sei schon bei unserem Schulleiter angekommen und vor allem ginge es ja deshalb nicht, weil ich als Klassen- und Schülersprecherin eine Vorbildfunktion habe.

Kloß im Hals. Viel psychischer Druck. Ich wusste nicht, was ich dazu sagen sollte, mal ganz abgesehen davon, dass ich derzeit eh nicht rede. Hätte ich es gekonnt, wäre ich aber trotzdem sprachlos geblieben.

Ihre Ansicht ist völlig verständlich, dazu komme ich gleich, aber die Entscheidung, statt zuerst nochmal mit mir zu reden (auch wenn ich derzeit nicht spreche) und dann, bei einer trotzigen Reaktion, respektlosem Untergraben ihrer Autorität oder was weiß ich, ja dann hätte ich es absolut verstehen können, dass sie zur Schulleitung geht.

Sie meint es nicht böse, sagte sie, während ich stumm meine Aufgaben erledigte, aber so könne es nicht gehen. Wie gesagt, Vorbildfunktion.

Vorbildfunktion.

Um eins klar zu stellen: Ja, als Schülersprecherin müsste ich ein Vorbild für all meine Mitschüler sein. Ja.
Die Realität sieht jedoch anders aus.
Als erstes zu erwähnen, ist die Tatsache, dass im Gegensatz zu anderen Schulen und vermutlich vor allem Ländern, das Amt des Schülersprechers einen ganz anderen Stellenwert hat, als man außenstehend denkt. Schülersprecher heißt hier nur, dass man irgendwas organisiert, was man auch lassen kann und worum sich kein anderer kümmern will, weil es zu viel Arbeit ist. Lästige Arbeit. Mir macht diese Arbeit aber Spaß, darum tue ich es. Doch angefangen habe ich, weil es sonst niemanden gab und ich, ehrlich gesagt, Mitleid hatte. (Sie brauchten zwei neue Mitglieder, niemand meldete sich dafür, ich gab meinem schlechten Gewissen schließlich nach)
Wir, der Schülerratsvorstand – so beinahe pseudo-ernst und supermegawichtig es auch klingen mag, sind jedenfalls nur eine kleine Randerscheinung an unserer Schule. Mehr als die Hälfte der Schüler weiß nicht einmal, wer zurzeit überhaupt Schülersprecher ist, geschweige denn wer ich bin.
Das ganze finde ich aber auch überhaupt nicht schlimm. Ich mag diese Wichtigtuerei eh nicht, von daher ist es mir ganz lieb, eher im Hintergrund zu agieren, auch wenn ich versuche, bestimmte Informationen besser an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen. Aber das ist ein anderes Thema.
Fakt ist: Um eine Vorbildfunktion zu haben, muss man erst mal eines sein und das wird man nur, wenn man auch als solches angesehen wird. Und ich versichere euch, kein Schwein schaut zu mir hinauf (hier Witz über meine Größe einfügen) und sieht mich als Vorbild. Zumindest nicht aufgrund meines Amtes. Dazu ist der Stellenwert hier zu niedrig.
Wenn also irgendein Spacken auf die Idee kommt, mir nachzuahmen, hätte es für seine Begründung schon gereicht, dass es irgendeine Zehntklässlerin ja auch macht. Das hat nicht wirklich etwas mit meiner „Vorbildfunktion“ zu tun.

Zweitens: Ich erledige meine Arbeit genauso wie zuvor, zwar etwas eingeschränkter, aber durch die Hilfe meiner Schülerratskollegen hat sich nichts geändert und wird es auch nicht. Wenn irgendwas mündlich geklärt werden soll, übernimmt diese Aufgabe jemand anderes, was auch schon vor dem Projekt so war, und dann hat sich die Sache.
Das einzige, was sich geändert hat, ist, dass ich nich spreche, was kaum etwas ändert, worüber man sich Sorgen machen könnte.

Drittens: Ich schade niemandem. Vor allem behandle ich unsere Lehrer immer noch so respektvoll wie vorher, erledige die Aufgaben, die man uns gibt, und bisher habe ich keine Leistung verweigert. Zwar weiß man nie, aber die meisten mündlichen Kontrollen habe ich schon überstanden, Vorträge dort gehalten, wo man Vorträge halten kann, nur meine Mitarbeit im Unterricht lässt nach, wobei sie das auch schon so tut. Außerdem habe ich mich damit nur auf das „Niveau“ eines stillen Schülers begeben. Und damit ändert sich nicht viel für den Lehrer da vorn.
Einziges Manko wäre vielleicht, dass man mich nicht zum Vorlesen oder Beantworten einer Frage aufrufen könnte, aber ich verstehe es, wenn man mir stattdessen eine 6 reindrückt. Das steht dem Lehrer zu und ich werde auch nicht protestieren, denn es ist sein gutes Recht.

WO ALSO IST DAS PROBLEM?!

(Und redet mir bitte nicht noch irgendwas anderes ein; es fiel mir doch recht schwer, die Situation so zu betrachten, ohne Angst vor dem nächsten Schultag zu haben.)

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