Das Schicksal ist ein mieser Verräter von John Green

Es gibt Bücher, die sind so schlecht, dass man sie nach den ersten Seiten heulend zusammenbrechend weglegt und sich fragt, wie erstens ein Mensch auf die Idee kam, nur so etwas abscheulich Widerwärtiges zu schreiben und zweitens wie eine Gruppe von Menschen (auch: Verlag) sich dann auch noch dachte: „Hey, bringen wir das mal als Buch raus!“ und schließlich damit den Rest der Welt verpestet oder zumindest jene Lebewesen von menschlichen Individuen, die solch ein Exemplar irgendwie leider Gottes in die Finger bekommen und so einen Schund in ihre Köpfe gesetzt bekommen.
Dann allerdings gibt es auch Bücher, bei denen man die ganze Zeit zwischen „ES IST SO GUT, ICH WERDE ES JEDEM MENSCHEN, DER MIR BEGEGNET, NICHT NUR EMPFEHLEN SONDERN IHM DAMIT DIE FRESSE POLIEREN BIS ER ES LIEST!!!!!111“ und einem Gollum-trifft-auf-Ring-artigem „MEINSMEINSMEINSMEINSMEINSMEINS“ schwankt.
„Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ (original: The Fault In Our Stars) von John Green ist so ein Buch.

Durch QUOTE.fm auf folgende Empfehlung gestoßen (vierfach-hint),

entschloss ich mich in Euphorie versetztem Kaufrausch (oder andersrum) gleich am nächsten Tag das Buch zu bestellen. Passte ganz gut, da ich außerdem noch für die Schule „Kabale und Liebe“ besorgen musste. Das ganze ereignete sich vor mehr als zwei Wochen, gelesen habe ich es allerdings erst heute – und las es gleich durch. (Bei guten Büchern oft der Fall. Da stellt man alle seine menschlichen Bedürfnisse weit nach hinten, liest das Buch und wenn man es zugeklappt hat, wundert man sich, weshalb man so abgemagert und vollgepinkelt gefolgt von plötzlichem Sekundenschlaf eigentlich noch im Sessel sitzt und WOBINICHHIEREIGENTLICH.)
Es gab bisher kein Buch, das ich schon missionieren wollte, bevor ich es überhaupt gelesen hatte (was wohl definitiv für die Empfehlung von Maren Keller spricht) und dessen Empfehlung ich nun mit so vielen Superlativen – und zwar immer und immer wieder – beschmücken will, wie Apple-Produkte auf der Keynote.

Aber so viele Adjektive kenne ich gar nicht, dass ich sie hierfür auf die Superlative steigern könnte. Mal abgesehen davon, dass mein Wortschatz eh ziemlich karg ist.
Zudem stehe ich vor dem Problem, dass ich grottenschlecht im Rezensieren von irgendwas bin und schon bei der Inhaltsangabe scheitere. Nur mal so vorweg, probieren will ich es trotzdem. KAUFT UND LEST NÄMLICH DIESES VERDAMMTE BUCH ES IST TOLL UND IHR WERDET ES EIN WENIG SEHR LIEBEN
Womit die subtile Botschaft und eigentlich auch letztendlich die Aussage, der Grund für das Schreiben dieser Empfehlung nun direkt Pixel auf Pixel in euer Auge (und auch in das andere, es sei denn, ihr seid einäugig oder blind) springt und nicht erst herausgelesen werden muss.
Hazel, das ist nämlich der Hauptcharakter, ist 16 und hat Krebs. Irgendwelche Metastasen in der Lunge. Und ab hier fange ich normalerweise an aufzuhören, weil ich eher nicht so auf Krebsbücher stehe, was einfach daran liegt, dass ich mich irgendwo mit Büchern identifizieren will und diese Kategorie zwar nicht abwegig, aber eher nicht die erste Wahl wäre, nach der ich in einem Bücherregal greifen würde – es sei denn, ich las vorher eine Empfehlung, wie in diesem Fall. Und dazu will ich euch auch bringen.
Wenn Hazel nämlich nicht nur eine erfundene Figur aus John Greens genialem Kopf wäre, sondern echt, dann würde ich sie vielleicht ein wenig hassen, weil ich neidisch auf ihren Intellekt, ihren Humor und wasweißich noch wäre. Denn sie ist genauso alt wie ich. Und ich habe bisher auch nur ein – wenn auch zögerliches – „Aber …“ mal rausbringen können zwischen all meinen zustimmenden Kopfnicken, was ein blöder Plural ist, und betretenden „Darauf wär ich auch gerne gekommen“. Denn gestehen wir es uns ein: Mit 16 fühlt man sich (oder will es zumindest) schon ein wenig allwissender als alle anderen, nicht so sehr wie Wikipedia, aber wartet’s ab, wenn ich erst mal meine Theorien über das Leben und die Welt rausgebracht habe! Jaja. (Und hier dürft ihr kurz demonstrativ aufseufzen und – solltet ihr älter als 16 sein – nostalgisch zurückblickend euch an diese Phase erinnern oder mich für dieses „von-mir-auf-andere-schließen“ verurteilen und wenn die Grammatik gerade falsch war, ja, dann dafür auch)

Neben Hazel gibt es noch den 17-jährigen Augustus, auch Gus genannt. Und die beiden lernen sich ein Selbsthilfegruppe für krebkskranke Kinder kennen, zu der Hazel gar nicht will, aber es ihrer Mutter zuliebe tut.
Dass sie sich verlieben, ist klar. Denn abgesehen von gutaussehend, ist Gus ebenfalls unheimlich intelligent und witzig. Und kurz gesagt, fliegen sie nach Amsterdam rüber, um Hazels Lieblingsautor zu besuchen. Und zwischendurch halt mal was mit Krebs.

Es ist weniger die Handlung, die ich hier so unspektakulär in wenigen Sätzen zusammenfasste, sondern all das Gedachte, das Gesagte, die Bemerkungen, nicht das drumherum, was nebenbei so passiert.
Denn es gibt zwei Möglichkeiten, in Form von Büchern den Lesern Wahrheiten nahe zu bringen: 1. Man lässt die Wahrheit erahnen und verwirklicht sie durch Handlungen oder 2. man schreibt sie einfach Wort für Wort auf.

Bei diesem Buch begriff ich zum ersten Mal die Funktion eines Textmarkers und den Sinn einer Zitatensammlung.

Und keine Ahnung, was ich jetzt noch so erzählen sollte, denn großartig viel will ich nicht verraten. Ich bin sogar kurz davor, das Buch ohne Umschlag, nackt ohne Beschreibung, einfach Freunden in die Hand zu drücken und „Lies!“ zu befehlen.

Kurzum: Ich mag’s. Ziemlich. Zum Weinen kam ich eher nicht, auch wenn es Anlässe dafür gab, aber das hat damit zu tun, dass ich derzeit nicht so sentimental gestimmt bin. Aber Tränen wurden trotzdem produziert.
Dafür habe ich herzlichst gelacht und zwar oft. Und ich wäre so gerne mit Hazel und Gus befreundet, dass ich es wieder doch nicht will, denn sonst fühlte ich mich in ihrer Gegenwart ziemlich dumm und das würde meinem Ego nicht so recht passen. Da lese ich lieber still mit und bewundere jene Dialoge, die so großartig sind, dass ich hoffe, dass ich solche auch mal führen können werde. Geiler Tempus.

<Vermutlich die nichtsaussagendste, aber immerhin euphorischste Empfehlung, die ich bisher zu irgendwas schrieb.>

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