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Ich wollte schreiben. Jeden Tag. Über Dinge, die mich bewegen (damit meine ich keine Fortbewegungsmittel), Dinge, die mich schon seit geraumer Zeit nachdenklich werden lassen oder überhaupt Dinge aus meinem Alltag, die zwar niemanden wirklich interessieren, aber die ich aus Mittelungsdrang trotzdem erzähle. Letztendlich habe ich einige Tage sogar in meinen Entwürfen und Notizen gespeichert, allerdings noch nicht veröffentlicht. Werde ich vermutlich noch machen, einfach so, weil sie nicht umsonst geschrieben wurden sollen. Der Countdown war ein Anreiz, überhaupt wieder regelmäßiger zu schreiben, aber wie man sieht, komme ich mit eigenen Herausforderungen gar nicht klar und hintergehe mich einfach selbst dabei.

Heute ist der 23. Juli 2012, es ist 2:04 Uhr und eigentlich sollte ich gar nicht mehr wach sein. Eigentlich sollte ich mich schon längst in der Tiefschlafphase befinden oder so. Ich kenne mich mit Schlafphasen nicht aus, aber bestimmt wäre das gerade gesünder für mich. Vor allem da ich um 6 aufstehen muss. Thu fährt heute wieder weg. Ich auch. Aber es geht in verschiedene Richtungen. Sie nach Hause, ich nach Magdeburg. Wie irgendwo hier schon erwähnt, steht eine OP an. Und ich will nichts Großes daraus machen, ich habe nichts gegen OPs, es war mir nahezu egal. Und wie unglaublich naiv und dumm es sich auch anhört: Ich weiß nicht einmal wirklich genau, was gemacht wird, Und wie lange ich überhaupt im Krankenhaus bleibe. Aber immerhin glaube ich zu wissen, wann ich operiert werde: Dienstag. Zumindest habe ich es mir so in meinen Kalender geschrieben. Es geht nur um kleine Korekturen. Wie man vielleicht auf den wenigen Fotos, die ich von mir postete, erkannte, habe ich eine Lippen-Kiefer-Spalte. Wobei „haben“, die Spalte (kchkchkch) ist nicht mehr zu sehen, nur noch eine Narbe, ich habe kein Philtrum und eine etwas schiefe (und platte, aber das ist Sache der Genetik, glaube ich) Nase.

Und irgendwie fand ich es wichtig, das mal zu erwähnen, obwohl es gar nicht viel ausmacht, eigentlich so gar nichts. Es beeinträchtig meinen Alltag überhaupt nicht und auch meinen Lebensverlauf hat es vermutlich nicht beeinflusst.
Aber es gehört dazu. Die zahlreichen Klinikbesuche, die Kieferorthopädentermine, die lockere Zahnspange, die ständige Rede von einer Implantation, weil mir ein Zahn fehlt und die „große Operation“, wenn ich erst mal ausgewachsen, sprich volljährig bin.

Manchmal erzählt mir meine Mutter von früher. Als ich geboren wurde und keiner von der Spalte wusste. 1996. Sie wurde daraufhin ohnmächtig (verständlich, wenn einem gesagt wird, man bekäme ein völlig gesundes Kind). Die nächsten Monate waren eine Qual, ich trank kaum etwas, nahm so gut wie gar nicht zu, aber plötzlich wurde es besser. Es gibt keine Bilder aus dieser Zeit. Ich habe keine Ahnung, wie ich mit drei Monaten eigentlich aussah. Vor paar Jahren erhaschte ich bei einer Kontrolluntersuchung einen Blick auf den Monitor und erst dort fiel es mir auf.

Übrigens bezahlt die Krankenkasse das alles.

Zwischen meinem fünften bis achten Lebensjahr tauchten die meisten Fragen dazu auf. „Wieso ist deine Nase so schief?“, „Haben deine Eltern auch so eine Nase?“, „Aber die ganzen anderen Chinesen, sehen die auch so aus?“, „Hbdlwreöjanrvjschingschangschong, verstehst du das? Ist das chinesisch oder so? Hahahahaha“, okay, letzteres gehört eigentlich nicht dazu, aber das war bei solchen Fragerunden auch dabei.

Vielleicht interessant ist, dass ich mich bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht mit meinem Äußeren befasste. Ich stellte nie solche Fragen oder hinterfragte irgendwas. (Habe auch nie die berühmte „Woher kommen eigentlich Babys?“-Frage gestellt, sondern wurde in der zweiten Klasse einfach aufgeklärt)

Ich bin so widerstandslos und nehme die meisten Dinge einfach so hin, wie sie sind.
Wenn es keine schöneren Bausteine gab, spielte ich halt mit denen und versuchte, daraus schöne Türme zu bauen, um es so auszudrücken, wobei es als Versuch, mich rauszureden, wahrgenommen werden könnte. Wie dem auch sei.

Ich wurde nie deswegen gemobbt oder ausgegrenzt. Im Gegenteil. Ich hatte Freunde, recht viele sogar. Zudem wurde mir in der Grundschule Achtung entgegengebracht, weil ich all die Jahre sehr gut in allen Fächern (abgesehen von Sport natürlich, habe übrigens eine drei auf dem letzten Zeugnis geschafft \o/) abschnitt und eine Vorbildfunktion für die ganze Klasse darstellte (steht so zumindest auf meinem Zeugnis der dritten Klasse). Kurz gesagt: Meine Kindheit war mehr als nur angenehm. Und das schätzte ich erst, als ich mir in verschiedenen Foren durchlas,was andere so damit durchmachten.

Es ist ein Thema, welches ich nicht gerne zum Thema mache, weil es so kleine-Mücke-großer-Elefant-mäßig rüberkommt (blabla, ja, ich achte immer noch darauf, was andere von mir denken und rechtfertige mich für jede zweite Aussage), aber irgendwie dazugehört, wenn ich über mich erzähle. Also, da ist es.

Die OP macht mir keine Angst. In einigen Augenblicken schon, aber die meiste Zeit verdränge ich es oder befasse mich nur mit dem weniger angsteinflößenden Teil: wann ich da sein muss und wie lange. Narkose hin oder her, ich wache eh auf. Die Wahrscheinlichkeit, dass (erstens ausgerechnet) ich nicht wieder aufwache oder irgendwas schief geht, ist wohl (sowieso) statistisch ziemlich, ziemlich, ziemlich gering. Und wenn nicht, will ich nichts davon hören lalalalalalalalala. Ich machte mir bisher nur Sorgen darüber, wie ich die Zeit überbrücken soll, wenn mich die Lustlosigkeit am Lesen packt und ich keinen Internetempfang dort habe. Und wie lange ich dort bleibe bzw. ob ich danach schon nach kurzer Zeit fit genug bin, um wegfahren zu können. Berlin, Hamburg, Nordseeinsel – für’s erste. Danach Saarland, wieder Hamburg, Leipzig, Königssee, nochmal Hamburg. Nämlich.

Und wenn es mich nicht stört, wieso mache ich die OP überhaupt? So indirekt fragen mich das viele Leute, nachdem ich ihnen erkläre, dass mir das ja eigentlich nichts ausmacht. Und so wirklich weiß ich auch keine Antwort. Denn irgendwie ist mir egal, und irgendwie will ich es doch machen, wobei es mir nie wirklich Schwierigkeiten bereitete. Außer in diesen schon fast depressiven „Wieso ich?“-Phasen, in die man gelegentlich stürzt und sich nur im Spiegel anschauen braucht, um sich wieder heulend unter der Bettdecke zu verkriechen. (Das passierte mir aber noch nicht und wenn doch, hatte es ganz andere Auslöser und das war nur eines der vielen Faktoren)

2:54 Uhr. 3 Stunden noch, bis ich aufstehen muss, 2 Stunden und 21 Minuten bis mein Radiowecker an geht.

Ich weiß nicht, ob ich noch etwas hinzuzufügen habe. Bestimmt, aber mir fällt nichts mehr ein, weil ich nun tatsächlich müde werde, obwohl The xx gerade in vollster Lautstärke ein wenig mein Trommelfell belastet.

Damit also: Wir lesen uns in vielleicht drei, vier Tagen, wenn nicht sogar früher, sollte mir mein Handy nicht abgenommen werden und ich mich als schlechte Schmugglerin erweise. Aber eigentlich müssten die erlaubt sein, oder? Hoffen wir also auf guten Empfang, weil ich mich vermutlich zu Tode langweile und THE DARK KNIGHT RISES INS KINO KOMMT UND ICH DA NOCH IM KRANKENHAUS LIEGE UND SUPERTOLLES WETTER IST ASDHKBFKERNGLM§PV§MGP$%HN!!HJR$GKORRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRR

 

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