Beschwerden bitte nur von Montag bis Freitagmittag, danke

Ich weiß gar nicht, von wie viel Stress und Druck ich hier erzählt habe. Ich weiß nur noch, von wie viel Druck und Stress ich erzählen wollte. Egal. Vermutlich war ich damals wieder zu faul, um diesen einen Gedanken abzutippen, also mache ich es jetzt.

Dass die letzten Monate für mich nicht unbedingt entspannend und ruhig verliefen, könnte man sich schon selbst denken. Eine Schülerzeitung macht sich nicht allein. Erst recht keine Bilder, kein Text und auch kein Layout. Und neben diesen Dingen musste auch noch diese Motivation, diese Euphorie dafür aufkommen. Stattdessen hatte ich in den ersten Wochen das Gefühl des Versagens und diesen Druck, ob wir überhaupt alles schaffen würden – ob ich überhaupt alles schaffen würde.
Und jedes Mal, wenn ich daran dachte, was noch gemacht werden muss und vor allem wie, hatte ich diesen Drang, alles über den Haufen zu schmeißen und einfach zu sagen „Nö. Ich kann das nicht“ – was ich allerdings nie tat und auch kaum jemandem erzählte. Ich war schon immer eine von denen, die nach außen hin unkompliziert und möglichst gelassen aussehen wollten und das auch meistens waren. Nur in Notsituationen und bei gewissem Zeitdruck machte sich meine eigentliche Unsicherheit bemerkbar, aber ansonsten: Ja klar, ich hab‘ alles unter Kontrolle. Keine Sorge, ich mach‘ das schon.
Das Ganze eben nach dieser konfuzianischen Weisheit „Fordere viel von dir selbst und erwarte wenig von den anderen. So wird dir Ärger erspart bleiben“. Dass das nicht ganz klappt und man vielleicht in diesem Fall den Begriff „Ärger“ noch genauer definieren sollte, bemerkte ich selbst.
Es gab in diesen letzten Monaten viele Tage, an denen ich das Gefühl hatte, dass Dinge mit einem schweren Gewicht auf mich eindrückten, dass ich fast ersticke, kaum Luft zum Atmen habe. Und vor allem hätte ich alles stehen und liegen gelassen, wäre abgehauen.
Jedes Mal, wenn ich das dachte, das fühlte, sagte ich mir, es gäbe Schlimmeres und dass es machbar wäre. Keine Sorge, ich mach‘ das schon.
Am schlimmsten war es jedoch, als ich hörte, dass eine gute Bekannte in unsere örtliche Psychiatrie kam. Den wirklichen Grund habe ich nie erfahren, doch man konnte erahnen, dass es sich um ein Burn-Out, Depressionen handelt. Natürlich spielten da noch private Probleme eine Rolle, doch wer sie kannte, wusste, dass sie sehr viel tat, außerschulisch halt (bspw. machte sie schon jahrelang bei Jugend forscht mit). Sie war eben intelligent, hatte eine vollen Zeitplan und regelte alles. Fast ein Mädchen für alles. Vielleicht auch ohne das fast.
Als ich das jedenfalls mitbekam, erinnerte es mich daran, dass ich auch so „enden“ könnte (dabei soll das gar nicht abwertend klingen). Natürlich habe ich noch nicht so viel zu tun wie sie, doch wenn ich schon jetzt solche Gedanken habe, wie soll das werden, wenn ich in der 12. bin oder arbeite?
Ich schob ihn weg, ganz weit von mir, genauso wie all die anderen Gedanken. Doch manchmal kamen sie wieder. Klar, ich hätte mir einfach nur die ganzen positiven Dinge aufzählen müssen. Dinge, die wir bis dahin schon geschafft haben. Aber dieses Problem trat überwiegend in der Anfangszeit auf. Als diese Zeitung noch reine Theorie war und wir nur am Planen waren. Das Ganze existierte nur auf irgendwelchen bekritzelten A4-Blättern mit Mind-Maps und vielen Fragezeichen. Wie sollten aus ein paar losen Notizen, Ideen mal eine richtige Zeitung werden? Wie sollte man die Seiten füllen, ohne, dass es leer und inhaltslos war? Wie sollten wir das überhaupt finanzieren? Würden Leute wirklich Werbung in einer Schülerzeitung  machen wollen, wenn es diese noch gar nicht gibt? Und wo soll überhaupt gedruckt werden?
Fragen um Fragen häuften sich in meinem Kopf und dazu noch alle auf einmal. Das wirklich blöde daran waren aber die fehlenden Antworten. Antworten, die erst später kämen würden.

Um dieser Demotivation und wahrscheinlich dem annähernden Burn-Out zu entkommen, brauchte es nur einer Entwicklung. Einem Fortschritt, irgendwas, das mir zeigte: „Ja, das wird!“. Und es wurde.
Ich war froh, dass sich jemand anderes um die Werbung kümmerte. Ich war froh, dass andere die Texte schrieben. Ich war froh, dass ich nur Fotos machen brauchte und dass ich nur darauf warten musste. Und planen, weiterplanen nämlich. Ja, wir brauchten Texte. Doch was für welche und würden sie reichen? Konnten wir mit ihnen wirklich alle Bereiche abdecken, die wir abdecken wollten, die abgedeckt werden mussten, weil sie sonst keiner kauft? Kriegen wir das Geld überhaupt damit zusammen? Und verdammt, was soll ich machen, wenn das Layout nicht so hinkommt, wie ich es haben wollte? Was mache ich, wenn es einfach nur scheiße ist und ich es nicht ändern kann, weil mir noch die Kenntnisse fehlen?
Na ja, dieser Einsturz von Fragen, Zweifel sagten wieder hallo und lasteten mal wieder auf mir. Nicht immer, zunehmend seltener, aber sie waren da und statteten mir in den unpassendsten Momenten, wo ich mal keine Sorgen habe, zufrieden bin, einen kurzen Besuch ab. Ach, lange nicht mehr gesehen! Zweifel und unbeantwortbare Fragen, wollt ihr noch Tee und Kekse? Wartet mal kurz, ich muss aufpassen, dass ich jetzt nicht anfange zu weinen!
Ja, ich habe einmal tatsächlich fast geweint. Nur fast, weil es mir unsinnig vorkam. Irgendwie schon lächerlich. Es gibt Leute, die müssen mit viel mehr auskommen, mit viel, viel mehr. Und ich sitze da, bräuchte mir doch keine Sorgen zu machen, habe doch gerade nur mit der Schule etwas zu tun, der Rest ist „Zukunftssache“. Es gab einfach keinen rationalen Grund dafür, dass ich deswegen weinen müsste.
Jedenfalls wurde es November – Mitte November. Redaktionsschluss und für mich Zeit, sich an das Layout zu setzen. Glücklicherweise gaben einige sogar schon vor dem Termin ab, sodass ich sogar früher damit anfing und ein wenig vorgearbeitet habe.
Ich hatte geplant, an dem kommenden Wochenende so gut wie fertig zu werden. Ein unrealistischer Plan, da ich alles auf den letzten Drücker mache. Selbst meinen eigenen Artikel schrieb ich drei Tage vor Druckabgabe noch einmal ganz um. So verbrachte ich also zwei Wochen vor allem mit Schlafmangel (tat ich auch schon vorher, aber es war extremer als sonst) und auf Facebook wurde ich bis 1 Uhr nachts unter der Woche als online angezeigt.
Genaueres zum Schülerzeitungsprozess kann man einen Eintrag vorher lesen.

Und jetzt bin ich also fertig. Jetzt sind wir fertig, erstmal und vorläufig natürlich, es gibt ja noch eine zweite Ausgabe. Aber ihr wisst nicht, wie froh ich nach dem Ganzen bin, endlich mal Zeit für andere Gedanken zu haben. Vor allem an einem Samstagabend. Denn ich erwähne es auch hier gerne einmal: Am liebsten würde ich alle Leute umbringen, die mit mir über Dinge sprechen wollen, die ich noch zu tun habe, wenn ich gerade beschlossen habe, nicht daran zu denken.

Somit komme ich also zum Grund, weshalb ich mir die Motivation nahm, diesen Eintrag zu verfassen: Danke, an die Leute bzw. denjenigen, der mich vorhin ansprach, dass wir ja noch dies und jenes schlecht umgesetzt haben und irgendwas noch, dass ich aufgrund meiner angestrebten Entspannung verdrängt habe. VIELEN DANK, dass ich jetzt wieder daran denken darf, wo ich doch eigentlich am Wochenende nichts mit der Zeitung zu tun haben wollte. TUT MIR LEID DASS ICH NICHT DIE GANZE ZEIT DARAN DENKEN KANN UND WARUM KONNTE MAN MIR DAS NICHT GESTERN SAGEN?!
Ich weiß, du wusstest es nicht und ich habe es dir nie gesagt, vielleicht mal versucht anzudeuten. Also ist es wohl meine Schuld, dass ich nun alle Schuld auf dich schiebe. Tut mir echt leid, wirklich. Aber Beschwerden bitte nur von Montag bis Freitagmittag bei mir einreichen. Danke für das Verständnis.

_____

Jaja, nach diesem Eintrag könnte man mich vielleicht für etwas labil halten.

3 Kommentare

  1. Liebe, junge Dame,
    der Clown fürchtet, dass du dich so lange selbst unter Druck setzt, bis
    der Kessel explodiert. Ein wenig Dampf hast du ja jetzt abgelassen — reicht das?
    Lach mehr! Tue weniger! (frei nach Konfusius der III)

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