Von Sportstunden und Volleyball

Freitags habe immer schlechte Laune. Dann sammelt sich jeglicher Hass in mir, der nur darauf wartet, dass ich ihn auf eine beliebige (teilweise) unschuldige Person projiziere. Tue ich dann auch. Meistens braucht er etwa 6 Stunden und in der 7. findet das Schülerzeitungstreffen statt. Ist zwar nicht so gut, aber immerhin kriege ich mich schnell wieder ein.
Jedenfalls kommt dieser angesammelte Hass nicht von irgendwo her.  Denn Freitag, der eigentlich zu den schönsten Tagen der Woche gehört, fängt – abgesehen von den morgendlichen Ritualen – mit einer Blockstunde Sport an. Und ich hasse Sport. Zumindest das, was wir gerade machen. Wahrscheinlich wird ein Großteil der Masse mir nun mit Antipathie begegnen, aber damit muss ich leben.

Ich hasse Volleyball.

Zwar mochte ich es eine kurze Zeit lang, aber das legte sich schnell, als wir (wieder) damit begannen,  Bälle von einer Seite des Netzes zur anderen rüber zu pritschen. Kurzum bin ich nämlich eine totale Niete darin und bezweifle, so etwas wie Augen-Hirn-Handkoordination zu besitzen (falls es dieses Wort gibt). Somit gehöre ich also zu dieser Minderheit, die dieses Spiel nicht beherrscht. Normalerweise wäre das kein großes Problem. Klar ist es doof, wenn das eigene Team meinetwegen verliert, weil ich den Ball nicht kriege/treffe, aber es war selten nur meine Schuld bzw. fiel nicht einmal auf. Am Ende war es dann doch lustig, trotz der Tatsache, dass es nur in 2 von 5 Fällen für ein paar Minuten zu einem richtigen Spiel kam.
Und dort lag wahrscheinlich auch das Problem meiner Sportlehrerin. Es kam eben selten etwas zustande, das man auch Volleyball nennen konnte. Also kam es nun/dieses und letztes Jahr dazu, dass der Unterricht folgendermaßen abläuft: Erst das Pritschen zu zweit, dann ein Feld mit jeweils 4-Personen-„Mannschaften“ (und ganz am Ende mit 6-6-Personen, aber ganz soweit sind wir noch nicht). Insgesamt sind wir ungefähr 24 Mädchen, wovon zehn es richtig gut können, der Rest dann mittelmäßig bis schlecht. Und weil es für einen Lehrer schwer ist, alle gleichzeitig zu fördern, müssten im Normalfall die Guten versuchen mit den Schlechten zu spielen. Im Normalfall. Aber unsere Lehrerin will das nicht. Weil wir ihre Technik oder was auch immer versauen würden. Kann ich teilweise sogar noch verstehen und würde auch keinem zumuten wollen, dass er mit mir spielen muss, dennoch war die Art, wie uns vermittel wurde „Nää! Lasst die mal richtig spielen und ihr geht dahinten hin und übt mal’n bisschen.“ (kein genauer Wortlaut) eher demotivierend. Wir wurden also auf ein Feld geschickt, um dort irgendwie irgendwas zu machen, anschließend dann noch „Lauf!“ und „Zum Ball hin, Mensch!“ von ihr zu hören bevor uns der Rücken zugewandt wurde. Und während wir also da spielten oder eher nicht spielten, sondern versuchten zu pritschen, schaute ich unauffällig zu den Guten und Besseren rüber. Da stand sie nämlich, unsere Sportlehrerin, und rief ihnen „Sehr schön gespielt!“ und weitere Lobeshymnen zur Spielführung zu. Eigentlich kein großes Problem. Theoretisch könnte man ja auch nichts machen oder ein bisschen was, aber wenn der Ehrgeiz für kurze Zeit so groß ist, dass man’s doch können will, wird’s anstrengend. So vergehen dann die Minuten und schließlich die zwei Stunden.
Aber es ist ein großes Problem – wenn sich das ganze nämlich Woche für Woche wiederholt. Irgendwann hat man keine Lust mehr und weigert sich, muss sich jedoch letztendlich fügen und wieder versuchen zu spielen. Und zuzugucken. Und am Ende total demotiviert in die Umkleidekabine gehen.
Am unerträglichsten ist es jedoch, bemerkt zu haben, dass man aufgegeben wurde.  Egal, ob nun in Sport, Mathe, Englisch, Physik oder was weiß ich. Daher hasse ich jeden Freitag, jede Sportstunde, in der wir mit Volleyball verbringen. Die Lehrerin hasse ich allerdings nicht. Irgendwo ist es nachvollziehbar, dass auch sie irgendwann keine Lust mehr hat und lieber den anderen zuguckt; diese eher fördern will als uns. Aber sie trägt nicht nur die Rolle einer Trainierin, sondern auch die einer Pädagogin – und das verhält sich meiner Meinung nach leider indirekt proportional zueinander.
Als Beispiel will ich eine Situation nehmen, die einer Freundin letztes Jahr widerfuhr, als wir diesen Mist namens Aerobic machten:“Geh raus, du versaust den anderen die ganze Choreografie.“ (exakter Wortlaut). Ich glaube, nach diesen Worten rannte meine Freundin raus.

Wir fassen also zusammen: 1. Ich bin eine Niete in Volleyball. 2. Ein paar weitere sind es auch und denken das gleiche. 3. Meine Sportlehrerin neigt dazu, unpädagogisch und rücksichtslos zu sein. 4. Die Guten bekommen kaum etwas davon mit. 5. Ich hab‘ keine Lust mehr darauf. Gar keine. 6. Und eigentlich weiß ich auch nicht, wozu ich das aufschrieb, aber ich werde jetzt auf „Publizieren“ klicken.

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