280715

Meine Freundin S. an der Ostsee.

Meine Freundin S. an der Ostsee im Sommer 2014. Wir waren in Graal-Müritz zu elft zelten.

Morgen gehe ich zum Friseur und lasse mir die Haare etwas länger als schulterlang schneiden. Ich war das letzte Mal vor fast zwei Jahren beim Friseur zum Haare schneiden. Danach werde ich ein paar Erledigungen machen: zur Apotheke gehen, vielleicht auch schon in einen Drogeriemarkt und danach noch Geld einzahlen. Zum Nachmittag hin bin ich bei einem Freund eingeladen und wir trinken Tee mit anderen Freunden. Später gehen wir wahrscheinlich wieder in eine Bar wie letzten Tage, Wochen auch – ich komme gerade aus einer. In acht Tagen bin ich entweder noch im Flugzeug oder bereits schon in Bangkok, genau weiß ich es gerade nicht. Wir, zwei Freunde, Christian und ich, werden für einen Monat in Thailand eine Backpackingtour machen. Die ersten zwei Nächte sind schon gebucht. Nach diesem Monat werde ich ein BFD Kultur in einem Museum absolvieren. Es wird ein Jahr dauern.

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Am 3.7.2015 war unser Abiball. Am 27.6.2015 war unsere Zeugnisausgabe. Am 15.6.2015 war meine mündliche Prüfung in Ethik. Am 4.6.2015 erhielten wir unsere Prüfungsergebnisse. Vom 27.4.-8.5.2015 schrieben wir unsere schriftlichen Prüfungen. Am 24.4.2015 war der letzte Schultag. Am 4.9.2014 war mein letzter erster Schultag. Am 3.9.2014 endeten meine letzten Sommerferien.

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Der Großteil meines Lebens besteht bisher aus Schule. In den 18, fast 19 Jahren, bin ich 12 davon zur Schule gegangen. Ich konnte mir zwischendurch kein anderes, späteres Leben ohne Schule vorstellen. Und ich hätte auch nicht gedacht, mich so schnell davon lösen zu können, aber die Monate zwischen den Prüfungen waren wie sehr, sehr lange Ferien und nahmen dann den Platz meines Alltags ein statt des Stundenplans, der 12 Jahre ein fester Bestandteil dessen war.

Es wird wahrscheinlich trotzdem noch dauern, bis ich mich nicht mehr als kleine Schülerin, ohne jegliche, ernsthafte Verantwortung tragen zu müssen, sehe. Dass ich tatsächlich irgendwie älter, erwachsen werde und mich mit jeglichem Papierkram rumplagen, Behörden abklappern muss wie früher nur Läden. Aber nach all der Angst, Verdrängung, Resignation, Indifferenz folgt die Akzeptanz und sogar ein wenig Vorfreude. Auf das Einrichten des neuen Zimmers, auf das nicht-mehr-ständig-den-Eltern-Bescheid-sagen-müssen, auf neue Chancen und noch mehr Möglichkeiten und überhaupt Veränderung im Leben. Manchmal siegt die Neugier doch über die eigene Bequemlichkeit in der Komfortzone.

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Ich habe mir am Anfang der Oberstufe viel zu hohe Erwartungen gesetzt. Letztendlich bin ich daran gescheitert. Mit jedem Test, mit jeder Klausur sank und stieg, sank und stieg, sank und sank und sank meine Hoffnung auf meine Zielnote. Ich hab sie nicht erreicht. Knapp. Aber wenn ich daran denke, dass ich bis zu den Prüfungsergebnissen nicht einmal damit rechnete, überhaupt in die Nähe dieser zu kommen, bin ich mehr als nur stolz darauf und könnte immer noch grinsen. Und ich muss zugeben, dass es etwas von Ironie hat, dass ich wieder erst auf den letzten Drücker meinen Schnitt hochzog, nachdem ich mich zwei Jahre davor mit Selbstzweifeln und Leistungsdruck rumschlagen musste, gerade weil vieles auch daran scheiterte, dass ich alles bis auf die letzte Sekunde hinausschob. Ich hoffe doch, es mir noch irgendwie abgewöhnen zu können.

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Meine Entscheidung, noch nicht zu studieren, obwohl ich eigentlich genau weiß, für welche Studiengänge ich mich bewerben werde, hängt damit zusammen, dass es bis auf wenige Ausnahmen furchtbare zwei Jahre waren, die mich bis zum Ende meiner Nerven trieben. Tatsächlich verband ich mit dem Lernen für die Abiturprüfungen keinen großen Aufwand. Die Monate zuvor – Tests, Klausuren, Hausaufgaben – waren jedoch so erschöpfend, dass ich mindestens ein Jahr Auszeit von Leistungserhebungen, dieser Leistungsgesellschaft brauche.

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Ich weiß noch immer nicht, was ich mit dem Blog anstellen soll. Manchmal fehlt es mir doch, eine Plattform zu haben, auf der ich mich etwas länger ausdrücken kann und ich hoffe ja immer noch, dass ich noch irgendwie zum Fotografieren komme.

quatre (IV)

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Oh.

Es fühlt sich ein bisschen komisch an, hier wieder zu schreiben. Der letzte Eintrag ist exakt eine 12. Klasse her und ich bin nun inmitten meiner Abiturprüfungen. Deutsch und Französisch (einmal grundlegendes, einmal erhöhtes Niveau) habe ich seit gestern hinter mir, die schriftliche Ergänzungsprüfung für das Große Latinum ebenfalls, Mathe (erhöht) und Geschichte (grundlegend) folgen kommende Woche.

Es fühlt sich wirklich komisch an, wieder in dieses Textfeld zu schreiben, nachdem ich es ein 3/4 Jahr gemieden habe. All meine Gedanken habe ich stattdessen in mein Tagebuch niedergeschrieben und selbst diese waren nur Fragmente von dem, was ich fühlte. Es hat sich im Laufe der Zeit eine gewisse Indifferenz bei mir eingestellt, nicht mehr alles zu dokumentieren, fast nichts mehr zu dokumentieren. Fotos – wenn ich überhaupt welche machte – bleiben ungeöffnet auf der Festplatte. Mir genügt der Moment, dass ich Dinge gesehen und erzählt habe, auch wenn sie (später) im Nichts verhallen.

Vier Jahre sind viel – zumindest in Anbetracht dessen, was ich seitdem erlebte, fühlte, dachte, und wie sich all die Dinge ändern. Ich war 14 als ich diesen Blog erstellte und jetzt bin 18. Ich wollte stets mehr daraus machen, aber habe es im Prinzip immer nur dann gemacht, wenn ich gar nicht mehr daraus machen wollte. Ich hab mir vorgenommen, mehr zu schreiben, über größere Dinge zu schreiben, stattdessen habe ich über nichts geschrieben.

Letztendlich ist das hier eine schöne Erinnerung an all das, was ich die letzten Jahre durchgemacht habe. Teile meiner “Jugend”, die sicherlich nicht damit endet, dass ich nun Abitur mache, und in einem Jahr woanders zu Hause bin, Gedanken, die ich irgendwie loswerden musste, weil ich nicht schreien konnte, Erlebnisse, die ich festhalten wollte.

Ich weiß nicht, was hieraus wird. Löschen erscheint mir zu radikal, vielleicht lasse ich ihn einfach im Netz stehen, irgendwann vergessen, vielleicht belebe ich ihn später wieder. Wer weiß.